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Historiker: “Grenzen des Konsums erreicht”
Dieser Eintrag stammt von M.Musil Am 14.10.2009 @ 17:03 In Allgemeines | Keine Kommentare
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Stagnierende Reallöhne und ökologische Krise als Vorboten des Verzichts
Berlin (pte/14.10.2009/06:10) - Der Konsum als Lebensform der Moderne steht auf einem Scheideweg. Zu diesem Schluss kommt der Historiker Wolfgang König vom Fachgebiet Technikgeschichte der TU Berlin [4] http://www.philosophie.tu-berlin.de im Buch “Kleine Geschichte der Konsumgesellschaft”. Angesichts der häufigen Darstellung, dass der Konsument für Wohl oder Niedergang der Weltwirtschaft verantwortlich sei, müsse das Phänomen des Konsums besser untersucht werden. “Denn die Frage, ob sich das derzeitige Konsumverhalten noch beliebig verlängern lässt, muss mit ‘Nein’ beantwortet werden”, so der Geschichtsforscher im pressetext-Interview. Der Historiker sieht immer mehr Anzeichen dafür, dass Konsum in seiner heutigen Form an seine Grenzen gelangt ist. “Die ökologische Krise macht uns deutlich, dass unser konsumptiver Lebensstil kein global anwendbares Modell ist. Ein Viertel der Weltbevölkerung verbraucht derzeit drei Viertel der Ressourcen und erzeugt drei Viertel des Abfalls und der Emissionen.” Die Reallöhne wie auch die Exportüberschüsse der Industrieländer stagnieren, was Verteilungskämpfe, politische Proteste und soziale Verwerfungen hervorruft. “Es gibt nicht mehr so viel zu verteilen”, so König. Rechnerisch könnte ein globaler Ausgleich gelingen, indem das Konsumniveau der reichen Ländern abgesenkt wird. “In der Praxis zeigt sich jedoch, dass wir schwer zum Verzicht bereit sind. Zwar verzichten einige Wohlhabende auf das völlige Ausnutzen ihrer Konsummöglichkeiten, doch ist dies weniger als der Tropfen auf den heißen Stein. Der Konsumverzicht wird daher eher unfreiwillig geschehen, etwa durch Inflation oder durch das Sinken der Reallöhne.” Wie es in Zukunft weitergeht, versuchen mehrere Modelle zu prophezeien. “Illusorisch ist die Annahme, dass eine weiter entwickelte Technik den ärmeren Ländern ein hohes Entwicklungsniveau erlaubt, ohne dass wir etwas abgeben müssen. Auch die freiwillige Askese der reichen Länder scheint unmöglich. Wahrscheinlicher ist eine Kombination beider Ansätze.” Die Gesellschaft befinde sich in einem Umbruch, den König in eine Reihe mit der neolithischen und industriellen Revolution stellt. “Alle großen Umbrüche werden allerdings nicht von Zeitgenossen, sondern erst ein halbes Jahrhundert später als solche erkannt. Derzeit sind wir noch nicht in der Lage, die Lage zu überblicken.” (Ende)
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