Archive für 30.12.2009

Unser tägliches Brot gib uns heute

„Darum beschränke dich auf den Genuß des Brotes und nimm als Zukost, was die Natur bietet. Laß das gute Gewissen und den Hunger die Würze deiner Speisen sein. Laß den Schweiß der Gebote deiner Nahrung vorausgehen. Es ist für dich genug, bis zu diesem notwendigen Bedarf dich abzumühen, damit der Hauptteil deiner Kraft deiner höheren Bestimmung gewidmet bleibt. Aber auch bis dahin quäle deine Seele nicht mit Brotsorgen, sondern sage zu dem, der das Brot aus der Erde hervorbringt: von dir habe ich mein Leben. Von dir werde mir auch der Unterhalt des Lebens zu Teil. Gieb mir das Brot d. h. durch gerechte Arbeit möge ich mir meine Nahrung verschaffen. Denn wenn Gott die Gerechtigkeit ist, dann hat von Gott nicht das Brot, wer mit Habsucht sich die Nahrung verschafft. Du hast deshalb die Erfüllung deiner Bitte selbst in der Hand. Wenn nicht fremdes Gut dir Reichtum bringt, wenn du nicht von Thränen erntest, wenn deiner Sättigung halber niemand Hunger leidet, wenn niemand seufzt, weil du schwelgst, dann genießt du Gottes Brot, die Frucht der Gerechtigkeit, die Ähre des Friedens, ungemischt und unbefleckt von dem Samen des Unkrauts. Wenn du aber fremdes Ackerland pflügest, wenn du beständig auf Ungerechtigkeit sinnst und den ungerechten Besitz dir auch noch verbriefen läßt und dann zu Gott sagst: Gieb mir Brot!, dann ist es ein anderer, der diese deine Worte hört und nicht Gott“.

aus: http://www.vergessene-buecher.de/wipol_vu/wipol_vu.html#vorwort

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