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Hundert Tage Westermerkel

Dieser Eintrag stammt von M.Musil Am 5.2.2010 @ 15:56 In Satire | Keine Kommentare

Martin Buchholz live:

Am 5. Februar in Bremerhaven (Capitol),

am 6. Februar in Wilhelmshaven (Kulturzentrum Pumpwerk),

am 7. Februar (und jeden Sonntag) bei den Berliner “Wühlmäusen”,

am 12. Februar in Hannover (Theater am Küchengarten),

am 15. Februar in Hamburg (Lustspielhaus) sowie

am 16 Februar in Leipzig (Pfeffermühle).

Mehr Infos und weitere Tourneetermine unter

[1] http://www.martin-buchholz.de.

 

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Hundert Tage

Westermerkel

 

Hundert Tage werden wir nun schon irgendwie neu regiert. Gefühlt sind es um die tausend Tage. Aus allen Meinungsspalten unserer Gazetten trieft schäbigster Hohn auf die Hunderttägigen hernieder. Nur ein Meinungsträger verschließt sich in seiner Kolumne diesem öffentlichen Ätschebätsche. Jawoll, ich bin’s, der mal wieder kühn gegen den Mainstream der hämischen Einheitsmeinung schwimmt. Ohnehin sind mir jeglicher Sarkasmus und jedwede bösartige Ironie wesensfremd. Bin ich doch bekannt für die stets moderate Milde meines Urteils und für die heitere Herzenswärme meines gütigen Humors, der nie jemand verletzen könnte.

 

Und so muß ich auch diese Regierung vor ungerechter Schmähung in Schutz nehmen - und besonders natürlich meine speziellen Schutzbefohlenen von der FDP. Da liest man nun in der Hundert-Tage-Bilanz, die Partei habe nur drittklassige Aushilfskräfte ins Bundeskabinett geschickt, weil sie nun mal keine Köpfe habe. Ich widerspreche: Das ist ein viel zu kopfpauschales Vorurteil! Nun ja, zugegeben: Wir haben da einen Entwicklungshilfe-Minister, der geistig schon immer etwas unterentwickelt wirkte, aber eben damit liefert er den Beweis für die Notwendigkeit seines Amts, das er selber ursprünglich abwickeln wollte. Dieser Minister hat die Entwicklungshilfe dringend nötig.

 

Auch jener vietnamesische Waisenknabe, den die Regierung als Gesundheitsminister adoptiert hat, ist ein schönes Beispiel für humanitäre Entwicklungs-Nachhilfe. Er plappert zwar noch ein bißchen viel; und gelegentlich verplappert er sich auch in Beckmanns Quassel-Zirkus. Doch ist er ein blitzgescheiter Kopf samt integrierter Pauschale. In weiser Voraussicht prophezeite er, daß man ihn eines Tages als Minister gewiß nicht mehr haben wolle. Eines Tages - in seinem Fall klingt das sehr naheliegend. Schließlich ist heute schon so ein Tag.

 

Außerdem muß man fairerweise einmal klarstellen, daß die massive Kritik an der neoliberalen Mitregentschaft keineswegs einhellig ist. Es gibt auch Gegenstimmen, auch wenn die sich in verschämter Zurückhaltung nicht sehr lautstark zu Wort melden. So ist zum Beispiel von der deutschen Pharma-Industrie noch keine kritische Verlautbarung gegen diese Regierung bekannt geworden. Auch die Apotheker halten sich mit jeglicher Kritik dezent zurück ebenso wie die Hotelbesitzer, die Steuerberater, die privaten Krankenkassen undundund… Was heißt da - Klientelpolitik! Ein unfairer Vorwurf! Es ist ja keineswegs so, daß die FDP ihre Stammkundschaft bedient. Solcher Service ist gar nicht vonnöten. Die Partei überläßt ihrer Klientel den Regierungsladen gleich zur Selbstbedienung. Schließlich hat diese Kundschaft schon vorher bezahlt.

 

Und ich weiß, wovon ich rede. Bin ich doch seit Jahren Kassenwart im Dachverband Staatstreuer Kabarettisten (DSK). Für uns hat man die Mehrwertsteuer schon lange abgeschafft. Unser Verband ist allerdings in der Öffentlichkeit bislang nicht in Erscheinung getreten; unsere Lobby-Arbeit leisteten wir still im Hintergrund. Immerhin - unsere Spenden, vornehmlich an die FDP, waren nicht unerheblich. Und sie haben sich ausgezahlt: Wurde uns doch in den letzten Wochen überreichlich Stoff für unsere Programme frei Haus geliefert. Wir Kabarettisten waren fast ein wenig beschämt von so viel Großzügigkeit. Allerdings fragen sich einige Kollegen bänglich: Kann diese Regierung und besonders Guidos Quatsch-Comedy-Club diesen hohen Pointen-Ausstoß der ersten hundert Tage auch in Zukunft durchhalten? Immerhin liegen noch rund eintausenddreihundert Tage vor uns.

 

Ich gehöre nicht zu diesen Skeptikern. Ich weiß, diese Regierung kann noch viel mehr leisten. Und zwar sich. Und zwar mit uns. Das Wachstum an Real-Satire wird zunehmen. Hat man doch extra dafür ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz beschlossen.

 

Deshalb zunächst einmal: Danke, Guido! Dank auch Dir, Angela! Ich rechne weiterhin auf Euch!

 

 

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