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Archive für September 2010
HUMUS, Klimaretter?
20.9.2010 von M.Musil.
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Das Leben eines freien Menschen in unserer Gesellschaft
18.9.2010 von M.Musil.
Donnerstag, 16. September 2010
von Freeman
Ich wachte heute auf, ging duschen und seifte meinen Körper mit Duschgel des Beiersdorf Konzern ein. Ich wusch meine Haare mit einem Shampoo des L’Oreal Konzern. Danach trocknete ich die Haare mit einem Föhn des Braun- Konzern. Ich rasierte mich mit einem Apparat des Gillett Konzern. Ich putze meine Zähne mit der Zahnpasta des Colgate Konzern. Dann ging ich in die Küche und aß Cerealien des Kellogg’s Konzern, löffelte einen Joghurt des Danone Konzern. Dann stieg ich in mein Wagen des Ford- Konzern, den ich beim GE Konzern geleast habe. Auf dem Weg ins Büro holte ich mir einen Kaffee des Starbucks Konzern. Dort angekommen, arbeitete ich für den Mikroschrott Konzern. In der kurzen Mittagspause ging ich in ein Fastfood- Restaurant und aß einen Hamburger mit Salat des McDonald- Konzern; trank eine Cola des Coca Cola Konzern. Dann rauchte ich draußen eine Zigarette des Phillip Morris Konzern und ging zurück ins Büro, um weiter für den reichsten Mann der Welt zu arbeiten, was ich sehr gerne tue, weil es mein einziger Lebensinhalt ist.
Zum Feierabend ging ich an den Bancomat des UBS Konzern, um einen Teil meines kärglichen Lohn zu holen. Dann kaufte ich eine DVD des Warner Brother Konzern im Media Markt des Metro Konzern. Dann ging ich in den Supermarkt des Coop Konzern und holte mir Lebensmittel der Konzerne Nestlé, Unilever und Kraft Foods. Dann fuhr ich mit dem Auto des Ford- Konzern nach Hause und unterwegs tankte ich Benzin des Shell Konzern.
Ich kam in meiner Wohnung an, für die ich dem UBS Konzern Hypothekenzinsen zahle, an den Energiekonzern Axpo die Stromrechnung und an den Allianz Konzern die Versicherungen. Dann kochte ich mir was zu essen aus den Fertigprodukten der Lebensmittelkonzerne, die aus genmanipulierten Pflanzen des Monsanto Konzern bestehen und mit etwas Ketchup aufgepeppt durch den Heinz Konzern. Ich setze mich vor den Fernseher aufs Sofa des Ikea Konzern mit einem Bier des Budweiser Konzern und guckte mir die Nachrichten auf RTL des Bertelsmann Konzern an, der Reden von Politikern zeigte, die alle von Konzernlobbyisten geschmiert werden und ihre Befehle ausführen; sah Berichte über Kriege, die für multinationale Konzerne geführt werden. Danach zog ich mir einen Film der 20th Century Fox rein, die dem Rupert Murdoch Medienkonzern gehört, der vollgespickt ist mit Schleichwerbung der Konzerne. Zwischendurch musste ich mir noch mehr Werbespots der verschiedenen Konzerne anschauen, die mir erzählen welche Produkte ich unbedingt kaufen muss, damit ich glücklich bin.
Als ich ins Bett ging, nahm ich eine Schlaftablette des Novartis Konzern und dachte über die nächsten Ferien nach, die ich sicher wieder beim TUI Konzern buchen werde, der mich mit dem Flugzeug des Lufthansa Konzern in einer Maschine des Boeing Konzern in eine Hotelanlage des Hilton Konzern bringen wird. Dann schlief ich zufrieden ein und freute mich auf den nächsten Tag, um das Beschriebene zu wiederholen.
Nur böse Zungen würden behaupten, ich bin nur ein Sklave der Konzerne und wir alle leben in einer Konzerndiktatur.
Das Problem mit dem Hamsterrad ist, egal wie schnell du strampelst und dir die Pfötchen blutig rennst, du bleibst immer nur ein kleiner Hamster der nicht vom Fleck kommt.
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Be- und Verdrossenheit
16.9.2010 von M.Musil.
Wer meint, den Begriff Bedrossenheit gäbe es nicht, hat Recht.
Das Verb (sich) bedrossen, gibt es allerdings. Es entstammt dem frühen Neuhochdeutsch und ist eine Bezeichnung für “unflätige Besudelung”.Kein Wunder, dass - wer sich unflätig besudelt vorkommt - aus der Bedrossenheit, von der er betroffen ist, in eine Verdrossenheit fällt, also in einen Ärger über den Zustand, in dem er sich befindet und über den oder die Täter, die er dafür verantwortlich macht.Eine Überlegung, die zu dem Wort “Politikverdrossenheit” eine neue, hochinteressante Deutungsmöglichkeit eröffnet.
• Wenn bei der angeblich wichtigsten Aussprache des Jahres, der alljährlichen Haushaltsdebatte des Deutschen Bundestages, im Plenarsaal des Reichtags nur wenige Reihen besetzt sind, weil ein großer Teil der Parlamentarier glaubt, dieses Geschwätz ginge sie, nachdem sie den Redner der eigenen Partei ausführlich beklatscht und den Hauptredner der Gegenseite mit Zwischenrufen hinreichend genervt haben, nichts mehr an,
• wenn die wenigen Anwesenden sich dann auch noch nach Kräften mühen, auf keinen Fall den Anschein zu erwecken, sie schenkten den Reden des politischen Gegners auch nur das geringste Quäntchen Gehör,
• dann ist es irgendwie ungeheuerlich, wenn sich dieselben Volksvertreter bei jeder Gelegenheit über das mangelnde politische Interesse des Volkes beklagen.
Ich fühle mich dann jedenfalls bedrossen. Doch von dem Verdruss und dem Zorn, der einen beschleicht, wenn man eine solche Debatte live verfolgt, bleibt nichts übrig, wenn man anschließend die kurzen Zusammenschnitte sieht, die von der GEZ-finanzierten Hofberichterstattung dargeboten werden.Da stehen dann zwei der unwichtigsten Sätze von Sigmar Gabriel neben einem kurzen Ausschnitt aus dem “Weihnachtsansprachen-Teil” der ansonsten furiosen (kommt von Furie) Rede Merkels. Gregor Gysi wird kurz eingeblendet und sein von der Redaktion mit Bedacht ausgewählter Satz anschließend vom Kommentator wohlwollend durch den Kakao gezogen. Trittins geschliffene Rede wird auf zwei Halbsätze reduziert - und Kommentatoren und Kommentatorinnen reden das Trauerspiel “gelebter Parlamentarismus” zum Gipfel der Demokratie hoch.
So wie die Masse der Polit-Redaktionen von Zeitungen und Zeitschriften auch. Leider haben die meisten berufstätigen Menschen keine Gelegenheit, Bundestagsdebatten live zu verfolgen - und diejenigen, welche die Gelegenheit hätten, nehmen sie zumeist nicht wahr.Sie hätten Volker Kauder hören sollen, die autonome, atomstromgetriebene Freisprecheinrichtung der CDU. Er stellte sich ans Rednerpult, warf den Phrasengenerator an und schwadronierte drauf los. Eigenlob und Attacke, vollkommen abgehoben, nichts Konkretes dabei, nur der wortreiche Versuch, den politischen Gegner zu diffamieren und die eigenen Parteifreunde in den christlich-demokratischen Himmel zu loben.Ich kann Ihnen sagen. Da kommt Bedrossenheit auf.Frau Homburg, eifernd bemüht, Frau Merkel in Stimmgewalt und Angriffslust noch zu übertreffen, schrammte mit ihrem Vortrag permanent an der Grenze zwischen “noch reden” und “schon kreischen” entlang, ignorierte wichtige Aussagen der Vorredner so vollständig, als hätte sie die Debatte bis zum eigenen Auftritt im Tiefschlaf verbracht, und leitete damit über, zu jenem unerträglichen Teil der Debatte, in dem die direkten Vordermänner der Hinterbänkler ihre holprig zusammengezimmerten Texte, mühsam vom Blatt ablesend, den Mikrofonen, der Lautsprecheranlage und den Bundestagsstenografen übermittelten - und diese Mikrofone, die Lautsprecheranlage und die Stenografen verdienen für die einwandfreie Haltung, in der sie diese Geduldsprobe überstanden haben, höchste Anerkennung.
Der vollständige Artikel findet sich unter http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2010/37.html
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Tatsächliche Arbeitslosigkeit
5.9.2010 von M.Musil.
Schlechte Meldungen kann auch die Regierung nicht gebrauchen. Deshalb bleibt sie wie die alte dabei, die Arbeitslosenzahlen schön zu rechnen. Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen, werden bereits seit längerem nicht als arbeitslos gezählt. Fast alle Arbeitslosen, die älter als 58 sind, erscheinen nicht in der offiziellen Statistik. Im Mai 2009 kam eine weitere Ausnahme hinzu: Wenn private Arbeitsvermittler tätig werden, zählt der von ihnen betreute Arbeitslose nicht mehr als arbeitslos, obwohl er keine Arbeit hat. Wer die tatsächliche Arbeitslosigkeit erfassen will, muss ehrlich rechnen. Dazu sagte der damalige Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) am 4. Juni 2009 in der Fernsehsendung Panorama: “Alles, was an Effekten durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen entsteht, wird jedes Mal zusammen mit der Arbeitsmarktstatistik veröffentlicht. … Ich glaube, dass man sich auf die Seriosität dieses Prozesses verlassen kann.” Wer anders rechnen wolle, könne ja “seine Zahl veröffentlichen - und dazu ein Flugblatt drucken.” Das tun wir gern. Hier ist die tatsächliche Zahl, die allein auf amtlichen Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit beruht. Im Juni 2010 sind 4,33 Millionen Menschen arbeitslos. Zeit zu handeln statt zu tricksen. August 2010 *Tatsächliche Arbeitslosigkeit im August 2010: 4.291.765* Offizielle Arbeitslosigkeit 3.188.122 Nicht gezählte Arbeitslose 1.103.643 *Nicht gezählte Arbeitslose aufgeschlüsselt:* Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld II: circa 360.000 Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld I (§ 428 SGB III): 544 Ein-Euro-Jobs (Arbeitsgelegenheiten): 318.982 Berufliche Weiterbildung 183.377 Eignungsfeststellungs- und Trainingsmaßnahmen (z.B. Bewerbungstraining): 65 Aktivierung und berufliche Eingliederung (z.B. Vermittlung durch Dritte): 175.214 Beschäftigungszuschuss (für schwer vermittelbare Arbeitslose): 32.438 Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen: 2.524 Kranke Arbeitslose (§126 SGB III): 30.499 *Quellen:* Bundesagentur für Arbeit: Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland. Monatsbericht August 2010, Seite 67. Die dort aufgeführte Altersteilzeit sowie Gründungszuschüsse und sonstige geförderte Selbstständigkeit haben wir in der Tabelle nicht berücksichtigt. Die dort ebenfalls aufgeführten älteren Arbeitslosen, die gemäß § 53a Abs. 2 SGB II nicht als arbeitslos zählen, sind enthalten in der ersten Gruppe der Tabelle (Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld II). Diese große Gruppe der älteren ALG II-Bezieher, die nicht als arbeitslos gelten, ist nicht im Monatsbericht ausgewiesen, sondern in einer Sonderpublikation der Bundesagentur für Arbeit: Analyse der Grundsicherung für Arbeitsuchende Juli 2010, Seite 17. Die genaue Zahl für diese Gruppe wird jeweils mit viermonatiger Verzögerung publiziert.
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