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Tatsächliche Arbeitslosigkeit
Schlechte Meldungen kann auch die Regierung nicht gebrauchen. Deshalb bleibt sie wie die alte dabei, die Arbeitslosenzahlen schön zu rechnen. Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen, werden bereits seit längerem nicht als arbeitslos gezählt. Fast alle Arbeitslosen, die älter als 58 sind, erscheinen nicht in der offiziellen Statistik. Im Mai 2009 kam eine weitere Ausnahme hinzu: Wenn private Arbeitsvermittler tätig werden, zählt der von ihnen betreute Arbeitslose nicht mehr als arbeitslos, obwohl er keine Arbeit hat. Wer die tatsächliche Arbeitslosigkeit erfassen will, muss ehrlich rechnen. Dazu sagte der damalige Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) am 4. Juni 2009 in der Fernsehsendung Panorama: “Alles, was an Effekten durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen entsteht, wird jedes Mal zusammen mit der Arbeitsmarktstatistik veröffentlicht. … Ich glaube, dass man sich auf die Seriosität dieses Prozesses verlassen kann.” Wer anders rechnen wolle, könne ja “seine Zahl veröffentlichen - und dazu ein Flugblatt drucken.” Das tun wir gern. Hier ist die tatsächliche Zahl, die allein auf amtlichen Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit beruht. Im Juni 2010 sind 4,33 Millionen Menschen arbeitslos. Zeit zu handeln statt zu tricksen. August 2010 *Tatsächliche Arbeitslosigkeit im August 2010: 4.291.765* Offizielle Arbeitslosigkeit 3.188.122 Nicht gezählte Arbeitslose 1.103.643 *Nicht gezählte Arbeitslose aufgeschlüsselt:* Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld II: circa 360.000 Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld I (§ 428 SGB III): 544 Ein-Euro-Jobs (Arbeitsgelegenheiten): 318.982 Berufliche Weiterbildung 183.377 Eignungsfeststellungs- und Trainingsmaßnahmen (z.B. Bewerbungstraining): 65 Aktivierung und berufliche Eingliederung (z.B. Vermittlung durch Dritte): 175.214 Beschäftigungszuschuss (für schwer vermittelbare Arbeitslose): 32.438 Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen: 2.524 Kranke Arbeitslose (§126 SGB III): 30.499 *Quellen:* Bundesagentur für Arbeit: Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in Deutschland. Monatsbericht August 2010, Seite 67. Die dort aufgeführte Altersteilzeit sowie Gründungszuschüsse und sonstige geförderte Selbstständigkeit haben wir in der Tabelle nicht berücksichtigt. Die dort ebenfalls aufgeführten älteren Arbeitslosen, die gemäß § 53a Abs. 2 SGB II nicht als arbeitslos zählen, sind enthalten in der ersten Gruppe der Tabelle (Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld II). Diese große Gruppe der älteren ALG II-Bezieher, die nicht als arbeitslos gelten, ist nicht im Monatsbericht ausgewiesen, sondern in einer Sonderpublikation der Bundesagentur für Arbeit: Analyse der Grundsicherung für Arbeitsuchende Juli 2010, Seite 17. Die genaue Zahl für diese Gruppe wird jeweils mit viermonatiger Verzögerung publiziert.
1 Antwort auf “Tatsächliche Arbeitslosigkeit”
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5.9.2010 bei 19:14
3.188.000 registrierte Arbeitslose und 1.38 Millionen unterbeschäftigte Personen in Arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sowie 411.000 erwerbsfähige Nichtleistungsempfänger ergeben ohne große Recherche im großen Zahlenwerk des Monatsberichtes der BA 4 Millionen 979.000 Arbeitslose.
Schaut man sich Seite 19 etwas genauer an, erkennt man schnell die wirkliche Dimension der realen und dennoch verschleierten Arbeitslosigkeit. Zitat für April 2010: 3.008.000 Personen oder 50 Prozent bekamen Leistungen, ohne arbeitslos zu sein. Die Gründe dafür können sein: vorübergehende Arbeitsunfähigkeit, die Teilnahme an Maßnahmen der Arbeitsförderung, die Inanspruchnahme der vorruhestandsähnlichen Regelung des § 428 SGB III, die Ausübung einer Erwerbstätigkeit von mehr als 15 Wochenstunden oder eine zulässige Einschränkung der Verfügbarkeit (z.B. Kindererziehung und Schulbesuch)
S. 51 aktueller Bericht: 933.400 ALG I Empfänger + 4.892.162 erwerbsfähige ALG II Empfänger. In der Summe sind dies 5.825.562 Betroffene. Zusätzlich gibt es laut aktuellem Bericht auf Seite 19 weitere 411.000 Nichtleistungsempfänger. Jetzt sind es bereits 6.236.562 Menschen, welche von ALG I oder ALG II (sowie die Nichtleistungsempfänger) abhängig sind. Zusätzlich gibt es noch 406.000 Kurzarbeiter. Insgesamt sind dies bereits 6 Millionen 642.562 Personen. Die 1.812.932 Millionen starke Gruppe der nichterwerbsfähigen Sozialgeldempfänger möchte ich in diesem Zusammenhang nur am Rande erwähnen.
Quelle: http://statistik.arbeitsagentur.de Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes im August 2010 - Seiten 6/19/51/
Im August hatte die BA für den ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt 396.000 freie Stellen zur Verfügung. Für Gesamtdeutschland hat das IAB nach aktuellen Zahlen ein Stellenangebot für den ersten Arbeitsmarkt von 805.000 freien Stellen angegeben.
Quelle: http://doku.iab.de/grauepap/2010/os1002.pdf
Abzüglich von Scheinangeboten (Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,403459,00.html) und später zu besetzenden Stellen bleiben ca. 450.000 Stellenangebote auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt, für 6,5 Millionen nach „Arbeit“ suchender Menschen!
(im Jahr 2009 waren über 8,5 Millionen Menschen auf der Suche nach (mehr) Arbeit: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2010/06/PD10__226__132,templateId=renderPrint.psml)
Die Neuausrichtung der Instrumente hat indirekt Auswirkungen auf die Vergleichbarkeit der Arbeitslosenzahlen im Zeitablauf. Nach § 16 Absatz 2 SGB III gelten Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik nicht als arbeitslos. Diese Regelung kommt bei den neuen Maßnahmen nach § 46 SGB III zum Tragen und entsprechend werden Teilnehmer an solchen Maßnahmen einheitlich nicht als arbeitslos geführt. […] Im April 2009 waren Dritte bundesweit für rund 200.000 Personen mit der Vermittlung nach § 37 SGB III alter Fassung beauftragt. Die Teilnahmen an diesem Instrument laufen ab Mai 2009 sukzessive aus und parallel dazu erhöht sich die Zahl der Teilnahmen an den neuen Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Dadurch wird im Vergleich zu früheren Zeiträumen die Arbeitslosenzahl durch Teilnahmen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen stärker entlastet. Dieser Effekt ist bei der Beurteilung der Arbeitslosenzahlen zu berücksichtigen. (S. 13 Monatsbericht Juli 2010)