Archive für 13.10.2010

Warum die NachDenkSeiten wichtig sind
von Konstantin Wecker

Als ich im Jahre 2003 nach einem 10-tägigen Aufenthalt im Irak nach Deutschland zurückkam, war mir klar, dass ein Großteil der Medien über das Land und die Menschen, über das Embargo und die angeblichen Kriegsgründe nur unzulänglich berichtete. Ob bewusst oder weil man Fehlinformationen aufgesessen war, wage ich nicht zu entscheiden. Aber jedem Journalisten, der mir damals vorwarf, ich sei grenzenlos naiv oder ich würde aus populistischen Gründen im Irak mit Hunderten anderer Friedensaktivisten gegen den Krieg der Amerikaner demonstrieren, entgegnete ich, dass ich seine Arbeit machen würde: sich selbst ein Bild machen, anstatt Propaganda nachzuplappern.

»Regierungen lügen« hat Howard Zinn einmal geschrieben, und wenn es darum geht, einen Krieg zu rechtfertigen, wird immer gelogen, und es werden immer humanitäre Gründe vorgeschoben, wenn es ausschließlich ums Geschäft geht und um die militärische Vormachtstellung.

Aufgrund dieser Erfahrung haben meine Frau und ich das Internetportal »Hinter den Schlagzeilen« (hinter-den-schlagzeilen.de) gegründet, das bis heute versucht, täglich Artikel und Beiträge zu verlinken, die in den Leitmedien entweder ausgeklammert oder gut versteckt werden.

Natürlich vernetzten wir uns mehr und mehr mit ähnlichen »Medien von unten« (wie das Ignazio Ramonet schon vor Jahren gefordert hatte), und so begann ich die NachDenkSeiten zu entdecken. Und war von Anfang an begeistert!

Wenn es in Deutschland einen Preis für das Medium mit der besten und kritischsten Informationsdienstleistung für seine Leserinnen und Leser gäbe, das Internetangebot www.NachDenkSeiten.de – auf dem dieses Buch basiert – würde den ersten Preis verdienen. Denn die NachDenkSeiten liefern fünf Tage in der Woche verlässliche Analysen und eine Übersicht über wichtige Artikel und Sendungen in den Medien. Die Autoren stellen sich dem allgemeinen Meinungsstrom und dem Herdentrieb der Leitmedien entgegen. Die NachDenkSeiten sind zum David gegen den Goliath der herrschenden Medien geworden.

Die meisten Medien haben es mittlerweile geschafft, uns mit Informationen zu versorgen, die einzig und allein den Zweck verfolgen, uns abzulenken vom wirklichen politischen Geschehen.
Die NachDenkSeiten führen uns wieder ans Eingemachte. Die Autoren haben keine Angst davor, sich mit Journalisten anzulegen, und vor allem nicht mit großen Verlagskonzernen!

Und das ist unendlich wichtig, denn es scheint, als ob sich keine Zeitung mehr wirklich mit einer anderen – und sei sie noch so unterschiedlich – anlegen will.

Am Ende halten doch alle zusammen. Und deshalb braucht es eben auch die NachDenkSeiten und dieses Buch.

Wer sie liest, zweifelt an dem, was als selbstverständlich hingenommen wird. Vorurteile werden brüchig. Mit neuen Informationen bestückt schaut man dann anders auf unsere gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Probleme.

Wenn es einen Preis für jene Texte gäbe, die politisches Interesse wecken und dazu animieren, sich einzumischen, statt sich davonzumachen, die Autoren müssten prämiert werden. Sie ermuntern dazu, sich wieder an der öffentlichen Debatte zu beteiligen, auch wenn bei der Lektüre ihrer Texte die erste Reaktion Empörung ist.

Wenn es einen Preis für Unbestechlichkeit des Denkens gäbe, die Autoren dieses Buches und der NachDenkSeiten müssten ihn bekommen. Manchmal geht mir ihre Unabhängigkeit und ihre Scheu, sich vereinnahmen zu lassen, schon ein bisschen zu weit. Ich neige zum Beispiel der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens zu. Die Autoren dieses Buches lassen sich allerdings auf diesen Traum nicht ein. Weil sie ihre Aufgabe darin sehen, ihre Leserinnen und Leser davon abzuhalten, Ideen und Konzepten hinterherzulaufen, die nicht zu Ende gedacht sind.

In diesem Punkt haben sie mich noch nicht ganz überzeugt…

Aber das ist ja nun mal das Interessante an den NachDenkSeiten und an den Texten dieses Buches: Die Autoren erwarten nicht, dass man ihnen blind vertraut oder gar irgendeiner Ideologie folgt.

Sie klären auf, hinterfragen und recherchieren.

Ihr kritischen Texte ersetzen nicht die Medien, sie ergänzen sie. Sie reagieren auf Beiträge, Meldungen und Berichte. Decken auf und: denken nach.

Die Autoren haben trotz aller Preiswürdigkeit bisher außer dem »Alternativen Medienpreis« keinen bedeutenden Preis bekommen. Das ist leicht zu erklären. Wer hierzulande den Meinungsmachern auf die Finger schaut, ist nicht gut gelitten. Wer Medienschelte betreibt, bekommt den geballten Widerstand der Medienmacher zu spüren.

Die Autoren der NachDenkSeiten-Texte brauchen keinen Preis. Wichtiger ist, dass sich die Leserinnen und Leser melden und sich besser informiert fühlen, sich wieder ihre eigenen Gedanken machen und sich vor allem wieder in öffentliche Angelegenheiten einmischen.

Mit den NachDenkSeiten erreichen die Autoren heute täglich über 50 000 verschiedene Leserinnen und Leser. Mehr als fünfeinhalb Millionen Mal werden die Seiten im Monat aufgerufen. Unter denNutzerinnen und Nutzern sind überdurchschnittlich viele mit hohem politischem Interesse, Künstlerinnen und Künstler, Betriebsräte und Freiberufler, Lehrerinnen und Lehrer, Studierende, Gewerkschafter, Kirchenleute und vor allem auch viele Journalistinnen und Journalisten. Die NachDenkSeiten gelten als einer der größten politischen Blogs in Deutschland. Das ist bemerkenswert und bei einem nichtkommerziellen, ehrenamtlichen Projekt wirklich bewundernswert.

Es ist beeindruckend, dass sich um die NachDenkSeiten und -Jahrbücher ein Netzwerk der Gegenöffentlichkeit gebildet hat. Viele Nutzerinnen und Nutzer liefern täglich Argumente und Dokumente. In über hundert Gesprächskreisen treffen sich Menschen zum Gespräch und zum Gedankenaustausch über drängende Fragen unserer Zeit. Für mich ist es – wie für viele andere – zur täglichen Routine geworden, nach der Lektüre der Tageszeitung einen Blick in die NachDenkSeiten zu werfen.

Die Autoren sind vor drei Jahren dem Wunsch vieler Leserinnen und Leser nachgekommen, nicht nur im Netz zu veröffentlichen. Sie wollen mit einer thematisch geordneten Zusammenstellung einschlägiger Texte in einem Buch Menschen eine Informationsquelle bieten, die keinen Internetzugang haben; sie kommen damit zugleich dem Wunsch vieler Leserinnen und Leser nach, die gerne wichtige Fakten und Argumente schwarz auf weiß, also gedruckt, haben wollen.

Jetzt haben sich die Autoren entschlossen, das Kritische Jahrbuch nicht nur über die NachDenkSeiten anzubieten, sondern auch über den Buchhandel. Diesem Vorstoß wünsche ich großen Erfolg. Und den Lesern einen Erkenntnisgewinn, der bereichert und obendrein Spaß macht.

Banken erfinden Geld aus dem Nichts!

Warum das Finanzsystem ein Betrugsmodell ist, was Bilanzen damit zu tun haben und warum der ultimative Crash droht, erklärt der Wiener Wirtschaftwissenschafter Franz Hörmann

Die Zusammenhänge sind auch völlig absurd, wenn man sich Folgendes überlegt: Der Staat verschuldet sich bei den Banken, um die Zinsen der Schulden, die er bei den Banken hat, zu begleichen oder um die Banken zu retten, bei denen er selber Schulden hat. Da versteht ja keiner mehr, wer eigentlich bei wem Schulden hat und was Schulden eigentlich sind.

Das ganze Interview ….

|