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Hermann Scheer gerstorben
Dieser Eintrag stammt von M.Musil Am 15.10.2010 @ 10:33 In Allgemeines | Keine Kommentare
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ten-ihn-sonnengott-1.1012249
SPD: Hermann Scheer ist tot Sie nannten ihn “Sonnengott”
15.10.2010, 08:31
Der langjährige SPD-Politiker und Streiter für erneuerbare Energien,
Hermann Scheer, ist gestorben. In Hessen wäre der linke
Sozialdemokrat fast Wirtschaftsminister geworden.
Über Jahre hinweg hat er Häme einstecken müssen, weil er sich für
umweltfreundliche Energien engagiert und, ja, auch dafür exponiert
hat: Hermann Scheer, der Mann mit seinen ewigen Liedern auf Sonne,
Mond und Sterne, der “Sonnengott”. Am Ende aber sollte er doch recht
behalten - und Anerkennung bekommen.
Scheer
Der langjährige SPD-Politiker Hermann Scheer ist im Alter von 66
Jahren verstorben. (© dpa)
1998 erhielt Scheer für sein Umwelt-Engagement den Weltsolarpreis,
1999 den Alternativen Nobelpreis. Das amerikanische Time Magazine
zeichnete ihn sogar als “Hero for the Green Century” (Held des grünen
Jahrhunderts) aus.
Scheer trat den Sozialdemokraten 1965 bei, engagierte sich auch in
der Studentenrevolte und war seit 1980 Mitglied des Bundestages für
die SPD Baden-Württemberg. Von 1993 bis 2009 gehörte er dem
SPD-Bundesvorstand an. Er war ein beharrlicher Linker, treu der
eigenen Position, überzeugt davon, dass es in der Wirtschaft eine
Öko-Revolte brauche. Beim wirtschaftsfreundlichen Part seiner Partei
galt er als manchem als “Spinner”.
Der Kritisierte wiederum verabscheute die Praktiken der Machtpolitik
à la SPD, die Manöver unter Gerhard Schröder, die Industriepolitik
des Wolfgang Clement. Ihn empörte es richtig, wie die Stars der
rot-grünen Koalition später in Aufsichtsratsposten und über
Beratermandate Industriegelder abkassierten. Das hielt er für
unmoralisch, wenn nicht für korruptiv.
Hermann Scheer, geboren 1944 im hessischen Wehrheim, wuchs in Berlin
auf. Er war ein exzellenter Schwimmer und schaffte es als Fünfkämpfer
zunächst in die Jugendnationalmannschaft, später auch in die
Fünfkampf-Nationalauswahl. Nach dem Abitur diente er freiwillig bei
der Bundeswehr, studierte später in Heidelberg und Berlin Politik-,
Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.
In den achtziger Jahren machte der SPD-Linke sich für eine aktive
Friedenspolitik und Abrüstung stark. Im SPD-Vorstand brachte Scheer
Ende der 90er Jahre mit Äußerungen, das Nato-Vorgehen im Kosovo sei
ein “Kriegsverbrechen”, den damaligen Bundeskanzler Schröder gegen
sich auf. Dieser meinte seinerzeit sogar, Scheer gehöre aus der
Partei geworfen. Dennoch war seine Nominierung auf der Landesliste
der SPD Baden- Württemberg nie in Gefahr.
Als in Hessen die SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti vor zwei Jahren
kurz davor stand, Ministerpräsidentin zu werden, war für ihn eine
tragende Rolle vorgesehen: als Wirtschaftsminister. Hier sollte er
seine Öko-Rezepte durchsetzen.
1988 gründete Scheer die gemeinnützige Vereinigung für Erneuerbare
Energien Eurosolar und wurde deren ehrenamtlicher Präsident. Das
Ziel: die vollständige Ablösung atomarer und fossiler Energiequellen
durch erneuerbare Energien. Mittlerweile hat die Vereinigung zwölf
Sektionen in Europa und weltweit 20.000 Mitglieder.
Mitte der neunziger Jahre gelang es dem profilierten Umweltpolitiker,
zwölf Zeilen ins SPD-Wahlprogramm zu schmuggeln: Erstmals versprach
die Partei darin, 100.000 Dächer in Deutschland mit Solarzellen
auszustatten. Kaum hatte die rot-grüne Koalition 1999 in Berlin die
Macht übernahmen, steckte sie eine Milliarde Mark in das
Solar-Programm.
Immer wieder mischte er sich in die Debatte ein. In dem
Dokumentarfilm “Let’s make money” kritisierte er die Profitsucht von
Konzernen - und das tatenlose Zusehen von Politikern: “Diejenigen
(Politiker), die wissen, was sie da anrichten, haben nur noch einen
kurzen Karrierezeitraum im Blick - nach mir die Sintflut. Und dieses
radikale Kurzzeitdenken, nicht mehr das Denken in längerfristigen
Verantwortungskategorien, ist typisch für das gesamte Neoliberale
Zeitalter. Im Neoliberalen Zeitalter ist alles verkürzt … auf die
aktuelle Erzielung einer höchstmöglichen Rendite, koste es was es
wolle.”
Im derzeitigen Konflikt um Stuttgart 21 war der SPD-Abgeordnete vor
Kurzem noch bei einer Demonstration gegen das Milliarden- Bahnprojekt
aufgetreten und hatte sich für einen Volksentscheid ausgesprochen.
Scheer galt als herausragender Umweltpolitiker seiner Partei, der
auch zahlreiche Bücher schrieb und herausgab.
Alternativer Nobelpreis Für ein besseres Leben
Hermann Scheer im Alter von 66 Jahren gestorben. Er starb am
Donnerstagmittag in einem Berliner Krankenhaus, teilte sein
Abgeordnetenbüro mit. Es sei ein plötzlicher, unerwarteter Tod
gewesen. Er hinterlässt ein Kind.
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