Archive für 29.10.2010

Angela in Onkel Atoms Hütte

Hat Angela Merkel gestern im Bundestag ihre Laufzeit wirklich verlängert? Oder dackelt sie allzu läufig der Reaktor-Reaktion hinterher, so daß die Wähler überläufig werden? Die Überläufer zu den Grünen kommen zwar weitgehend bzw. weitläufig von der FDP - und das hat die Partei der Besserverdienenden auch nicht besser verdient -, aber auch die CDU sackt beiläufig immer tiefer ins demoskopische Schwarze, weil alles im grünen Bereich ist. Der brave bundesdeutsche Wähler, der gerade im erzschwarzen Schwabenländle die bürgerliche Revolution probt, ohne eine Bahnsteigkarte zu lösen, könnte Schwarz-Geld (sorry, Schreibfehler: Schwarz-Gelb sollte es heißen) endgültig zum Auslaufmodell erklären. Genauer: zum Überlauf-Modell, weil das Faß zum Überlaufen voll ist. Und dabei handelt es sich nicht nur um ein Faß, sondern um all die Fässer, die da in Asse still vor sich lecken. Doch die Regierung sagt dem Bürger: Leck my Asse!

Tscha, warten wir’s ab: Wenn im Märzen die Merkel die Wähler einspannt in Baden-Württemberg, könnten die sich plötzlich ganz ent-spannt zeigen. Wie seufzte schon olle Hamlet grün-alternativ: Dies ist ein Ziel, auf’s Innigste zu wünschen. Dabei hielt Hamlet einen Totenschädel in der Hand, allerdings ohne ondulierte Westerwelle. Eine Welle, auf der die Grünen mehr und mehr nach oben gespült werden.

Das könnte jetzt vielleicht so geklungen haben, als sei ich gegen den Atomstrom. Nein, mißverstehen Sie mich bitte richtig. Der Atomstrom ist schon deshalb so wichtig, weil er so billig ist und glücklicherweise auch nicht erneuerbar. Weil es doch die erneuerbaren Energien sind, die so ungeheuer ins Geld gehen. Die werden immer noch subventioniert, und deshalb wird der Strom immer teurer.

So erklären es die Atom-Lobbyisten, die bei uns für die Gesetzgebung zuständig sind (und nebenbei auch für die freie unabhängige Berichterstattung, zum Beispiel im “Spiegel”, das zum Zentralorgan der Anti-Erneuerer geworden ist). Wenn die nuklearen Agenturen der Regierung die Gesetzestexte vorschreiben, geschieht das aus purer Menschenfreundlichkeit, um den zuständigen Ministerien ein bißchen Arbeit abzunehmen. Das ist gewissermaßen ein ehrenamtliches Hobby von jener Lobby, die uns statt blühender Landschaften nun strahlende Landschaften verspricht.
Nur verschweigen diese Strahlemänner, daß die Atomenergie bis heute mit mindestens 165 Milliarden Euro Steuergeldern alimentiert worden ist. Das entspricht einer Subventionierung des Atomstroms von 3,9 Cent pro Kilowattstunde. Hinzu kommen zukünftige Entsorgungs-Kosten von rund 100 Milliarden Euro, die natürlich wir, die Steuerzahler, zu blechen haben. Und wenn die Betreiber der AKWs zudem für eine vollständige Haftpflichtversicherung im Fall eines nuklearen Unfalls aufkommen müßten, also wenn bei Atomkraftwerken die gleichen Haftungsregeln gelten würden wie in allen anderen Wirtschaftsbereichen, wäre der Atomstrom um bis zu 2,70 Euro pro Kilowattstunde teurer und damit weder bezahlbar noch wettbewerbsfähig. Aber wie heißt es so einleuchtend: Atom ist, wenn man’s trotzdem macht.

Zumal wir ja brav unsere Steuermilliarden für die Atom-Industrie löhnen. Die werden allerdings hinterher von den Kraftwerk-Betreibern als angeblich eigene Investitionen auf den Strompreis angerechnet. Das geht ins Geld. Und woran liegt’s. An den erneuerbaren Energien selbstverständlich. Denn durch diese Energien ist plötzlich zuviel Strom da. Deshalb werden auch die Strompreise immer wieder erneuert. Soll heißen: Sie steigen stets von Neuem. Was so neu allerdings auch nicht ist. Ich habe das schon mal erklärt:

So leisten wir uns von unseren Steuerleistungen, die man woanders dringend braucht, Subventionen, die wir nicht kennen, für atomare Investitionen, die wir nicht wollen, die Leistungen erbringen, die wir nicht brauchen, damit hinterher die geleisteten Subventionen als angeblich konzerneigene Investitionsleistungen die Stromleistung, die wir nun tatsächlich brauchen, so verteuern, daß wir sie uns nicht leisten können.

Das ganze nennt sich Leistungsgesellschaft. Ein kleiner Kurs in freier Markwirtschaft. Ein Kon-Kurs, wie üblich.

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Ein Beitrag von Martin Buchholz ( Kabarettist)

Buchholz live, mit seinem neuen Programm
“Mißverstehen Sie mich bitte richtig!”:
Am 30. Oktober in Potsdam (Kabarett Obelisk),
am 31. Oktober (und jeden Sonntag) um 16.30 Uhr
bei den Berliner “Wühlmäusen”,
am 1. November in Dresden (Herkuleskeule),
am 4. November in Hannover (Daunstärs),
am 6. November in Osnabrück (Lagerhalle) sowie
vom 10. bis 13. November in Bremen (Packhaustheater).

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