Archive für Dezember 2010

Weihnachtszeit

Dr. Heiner Flassbeck in Pleisweiler

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Der große Geldzauber …

..  oder - was sie nie über Geld wissen sollen
Samirah Kenawi
Ich, der Banker, bin der Herr der Welt. Nur ich kann euch mit Geld versorgen, das ihr
braucht zum täglichen Geschäft. Ihr braucht mein Geld um Lohn zu ernten, für der Arbeit
Schweiß und um’s zum Bäcker dann zu tragen und jener trägt’s zum Schuster und so fort.
Doch mein Geld kreist zum Segen nicht durch diese Welt. Denn ihr könnt’s leihen nur bei
mir - auf Zeit und gegen Zins. Und so verdiene ich an jedem Handgriff den ihr tut mein
Quäntchen mit. Ich mach das Geld, mit dem ihr eure Arbeit tauscht und lebe so von eurer
Arbeit mit. Denn, was wär’ uns’re Welt ohne mein Geld?
Kein Schuh, kein Brot, kein Hammer, kein Gedanke wechselt den Besitzer mittels Verkauf
durch Geld, ohne dass mir von jedem Handel ein Quäntchen Geld in meine Taschen fällt.
Ohne mein Geld kräht heut’ kein Hahn mehr, fließt kein Wasser nirgendwo.
Ihr denkt, das muss so sein. Wer etwas borgt, der muss auch Zinsen zahlen. So betet ihr
den Mammon an. Denn, Geld regiert die Welt. Doch fragt ihr nie, wer denn das Geld regiert?
Warum ihr Tribut zahlen müsst, für jeden Cent den ihr bewegt? Solange ihr dran glaubt, das
Geld man gegen Zinsen borgen muss, weil man es selbst nicht schaffen kann - noch darf,
solange halt ich euch in meinem Würgegriff gefangen.
Ihr solltet’s wahrlich nie erfahren, dass man von einer Bank kein Quäntchen Geld seit
hundert Jahren borgen kann. Das was die Banker euch vom Borgen da erzählen, sind Märchen.
Keine der Banken zwischen Nord- und Südpol borgt euch heut’ noch and’rer Leute
Geld.
Wenn ihr Kredit begehrt, so schaffen Banken flugs Geld aus dem Nichts herbei - ein Tastenzaubertrick.
Die Tastatur der Bank ist wie ein ries’ges Fass, man klimpert drauf und schon
entsteht ein neues Guthaben. Kein Mensch hat je für dieses Geld gespart, kein Mensch hat
je für dieses Geld gedarbt. Es ist dem Klimpern auf den Tasten just entsprungen. Nun könnt
ihr’s leihen und zahlt brav Zins dafür.
Auf diese Weise steigt die Geldmenge wie Wasserfluten an. Längst wächst der Geldberg -
frei von fester Bindung ans Bruttosozialprodukt - gen Himmel. Wer lesen kann, liest’s hie
und da in mancher Zeitung steh’n.
Ihr fragt, warum ihr dann so knausern müsst? Warum es euch und „euerm“ Staat – wie nett
ihr von ihm denkt – an allen Ecken fehlt? Nun Geld kriegt nur, wer welches hat. Je mehr er
hat, je mehr kriegt er dazu. Das ist die große Logik des Systems. Man stellt dem Satten nur
das Essen hin. Vor ihm, der nicht mehr essen kann noch mag, biegt sich der Tisch unter den
Riesenschüsseln. Damit das edle Gut ihm nicht verdirbt, verteilt er es nicht etwa an die
Hungrigen. O Gott bewahr, die kämen so auf den Geschmack.
Er lässt für jene eine dünne Suppe kochen. Als Dank dafür soll’n sie ihm seine Fülle konservieren.
So kommt es, dass, je mehr er hat – weil stetig er bekommt –, er immer größere
Armeen von Köchen braucht. So gibt es zwar Unmassen Geld, doch wird der größte Teil
nutzlos verbraten. Die Küche kocht nur für den Keller. Je voller der, je leerer unser Teller.
Genug! Ein jeder ahnt schon den Gestank. Wenn einer konservieren soll und selber Hunger
hat, dann wird die Arbeit schlecht getan. Es geht was schief, im Keller riecht es faulig. Faule
Kredite, eines jeden Banker Pein. Man müsst’ sie tilgen, doch das wär’ gemein, denn
dadurch wäre der Gewinn auch futsch.
Wieso? Nun, wie Geld durch Kredit stets aus dem Nichts entsteht, muss es durch Tilgung
des Kredits in jenes Nichts zurück, aus dem es kam. Unglaublich aber wahr – durch Tilgung
von Kredit verschwindet Geld! Geht nun der Schuldner Pleite, kann nicht zahlen, dann
müssten wir, was wir zurückgelegt, in jenes Schuldenloch versenken. I Gott bewahre. Da
suchen wir uns einen and’ren Dummen. Und Gott sei Dank, der ist auch schnell gefunden.
Der Staat! Wir wälzen unsere faulen Kredite auf ihn ab, indem wir drohen uns’re Tore sonst
zu schließen. Und siehe da, er fürchtet sich und schluckt die bitt’re Pille und – jetzt
kommt’s!
Er nimmt Kredite bei uns auf. Hurra! So schaffen wir ihm Geld, das er, kaum ist es aus dem
Nichts entstanden, in uns’re Schuldenlöcher kippt. So rettet er vor uns’rer Pleite uns mit
unserm Geld. Statt unser schönes eig’nes Geld zum Stopfen der von faulen Schulden ganz
zerlöcherte Bilanz ganz sinnlos zu vergeuden, füllen wir unsere Löcher elegant mit
Staatskredit und werden so noch fett an Steuergeldern. Denn – da der Staat das Geld, das
er zu uns’rer Rettung uns hergibt, von uns zuvor sich schaffen ließ, muss er für uns’re
Rettung uns nun Zinsen zahlen. Genial, das muss der Neid uns lassen.
Sehen sie einfach zu, sie können’s doch nicht fassen. Wir schaffen also Geld durch
Tastenklick und jagen’s dann durch heiße Drähte. Der Staat – der Gute – schickt es uns
zurück. Für dieses Geld, das nur aus unserm Rechner in ’nen and’ren und zurückgesprungen
– hier war’s entstanden durch Kredit und hier verschwand’s durch Tilgung alter Schulden
wieder – nun dieses Geld – da sind wir Banker ganz korrekt, auch dieses Geld erfordert
einen Zins. Für jenen winz’gen Augenblick, in dem’s von einem Nichts ins andere sich stürzt
und dabei unser Universum nur mal streift, für diesen Augenblick, kassieren wir. Der Staat
bezahlt dafür mit euern Steuergeldern. Deshalb fragt künftig nicht mehr, wo die Steuern
bleiben. Wir holen sie, um sie auf unsern Konten aufzuhäufen.
Das ist ein Coup, da reicht kein Bankraub ran. Ganz harmlos und ganz ohne Feuerwaffen,
kann jeder Banker so in jede Tasche fassen. Ich seh’, ihr glaubt mir nicht. Der Plan ist auch
zu teuflisch. Da ihr unser Geschäft so glücklich missversteht, so kann ich schamlos hier die
Wahrheit in die Menge schrei’n. Da’s niemand glaubt, wird niemand sie gefährlich. Doch
weh uns, wenn ihr doch einst begreift, dass hinter Bankpalastfassaden mit Geld auf gänzlich
and’re Weise wird verfahren. Drum bitte glaubt mir nicht! Träumt weiter! Denn solang’ ihr
schlaft, solange kann ich raffen.

Samirah Kenawi, 30.1.2007