- MICHAEL MUSIL - http://blog.michael-musil.de -

Eines ist sicher: Atomenergie ist es nicht.

Dieser Eintrag stammt von M.Musil Am 7.4.2011 @ 09:37 In Energie | Keine Kommentare

Eines ist sicher: Atomenergie ist es nicht.
Spätestens jetzt, nach Fukushima, wissen wir’s. Wir haben’s auch schon nach Tschernobyl und
nach Harrisburg, nach Windscale/Sellafield und Kyschtym gewusst (wissen wir das noch?).
Und schon jetzt, nur wenige Wochen später, wogen die Expertenmeinungen hin und her, dass es
eine Lust ist. Hü sagt der eine, und hott sagt der andere, “furchtbar!” heisst es hier, und “gar nicht
so schlimm” klingt’s von dort, die Becquerels und die Millisieverts fliegen um die Wette,
Grenzwerte werden um das zehnmillionenfache überschritten, und gleich darauf kommt die
Entwarnung: Es war nur um das hunderttausendfache. Ach sooo…
Wir sind – und ich spreche jetzt mal nur für uns – allesamt keine Experten. Wir bekommen keine
fetten Gehälter, damit wir unsere Glaubwürdigkeit für diejenigen ins Feld schicken, die uns
bezahlen. Wir bezahlen Stromtarife, und das nicht zu knapp. Mit dem Geld werden dann wieder
die Experten bezahlt. So geht das.
Aber die Tatsache, dass wir doof sind, berechtigt niemanden dazu, uns für dumm zu verkaufen.
Zugegeben – wir haben einiges dazu beigetragen, dass man uns so unterschätzt. Wir haben, um
nur ein Beispiel zu nennen, zugesehen, wie der Schnelle Brüter in Kalkar mit Forschungs-
(=Steuer-)Geldern errichtet wurde, haben den dort erzeugten Strom tarifgemäss bezahlt und das
Abwracken des Experiments dann wieder mit Steuergeldern finanziert. Im Klartext: Wir haben
zugelassen, dass der Fuchs zum Generalbevollmächtigten des Hühnerstalls gemacht wurde und
ihm zusätzlich noch Spiegeleier zum Frühstück und Boeuf Stroganoff zum Abendessen serviert.
Auf Kosten des Hauses.
Und wir haben – zugegeben – diejenigen, die unsere Angst auf die Strasse getragen haben, die
in Gorleben und Asse protestiert, die “Republik Freies Wendland” gegründet und die Schienen
der Castor-Transporte blockiert haben, als Spinner belächelt, als Maschinenstürmer angefeindet
und als Chaoten und Terroristen beschimpft. So dämlich waren wir.
Aber nun ist mal Ende mit lustig. Das Tanzen auf dem nuklearen Vulkan hat zwar unsere Füsse
schön warm gehalten, aber unser Kopf ist trotzdem kühl geblieben.
Wir haben begriffen, dass die Konzentration von wirtschaftlicher und politischer Macht in die Irre
führt, dass “gross” nicht gleich “gut” ist, und dass nicht alles, was machbar ist, auch gemacht
werden muss.
Wir haben begriffen, dass eine zuverlässige, umweltgerechte und sozial verantwortliche
Energieversorgung nur de-zentral möglich ist. Dass Entscheidungen, die alle betreffen, nicht
denjenigen überlassen werden können, die davon wirtschaftlich profitieren.
Und wir haben begriffen, dass wir uns einmischen müssen. Dass es nicht reicht, unsere Häuser
nur bis zum gesetzlich vorgeschriebenen Minimum zu isolieren. Dass wir die Energie der Sonne
nicht nur zum Bräunen auf der Terasse, sondern auch zur Energiegewinnung auf dem Dach
nutzen müssen. Dass ein Windgenerator, der unsere schöne Aussicht verschandelt, immer noch
besser ist, als 24.000 Jahre lang den Spinat nur im Schutzanzug abzuspülen.
Und dass jedem Experten, der von einem “beherrschbaren Restrisiko” daherfaselt, kräftig was
auf die Beissleiste gehört, das haben wir auch begriffen.

Ulrik Remy

http://www.ulrikremy.com/atomenergie.pdf


Dieser Artikel wurde ausgedruckt ab MICHAEL MUSIL: http://blog.michael-musil.de

URL zum Artikel: http://blog.michael-musil.de/2011/04/07/eines-ist-sicher-atomenergie-ist-es-nicht/

Klicken hier zum Drucken.