Archiv der Kategorie Satire

Egon sei Dank!

Es kommt niemand darin vor, der tatsächlich und wahrhaftig existiert, nicht einmal in Andeutungen. Es kommt auch kein Missstand darin vor, der tatsächlich und wahrhaftig existiert, denn wiewohl es auf den Wochen- und Jahrmärkten mannigfache Arten von Ständen gibt, Gemüsestände, Bratwurststände, zur Weihnachtszeit auch Glühweinstände, so ist doch weltweit noch nirgendwo eine Platzgebühr für einen Missstandsbetreiber erhoben worden.

 

Es ist auch nicht sicher, ob, falls es auf einem Markt - oder bei den alles beherrschenden Märkten - einen Miss-Stand gäbe, die dort feilgebotene Misere auf Kaufinteressenten stoßen würde. Man müsste für den Missstand wohl besonders attraktive Miseren importieren, ein bisschen aufpeppen und verbrauchergerecht präsentieren - zumindest mit einer echten Blondine als Miserenfachverkäuferin. Blondinen sind bekannterweise sehr witzig und könnten unter Freunden des naiven Humors Lust - Kauflust - erregen, so dass unter Ausnutzung unbewusst ablaufender Triebsteuerungen - selbst mit der Vermarktung von Missständen noch fette Gewinne eingefahren werden könnten.

 

Missstände und Miseren gibt es zuhauf, sie liegen praktisch auf der Straße. Man braucht nur die clevere Geschäftsidee - und schon werden aus dem übelsten Missstand die schönsten Asset Backed Securitys, und die sind kein Missstand mehr, sondern eine wahre Geldmaschine für ihre Erfinder. …

 

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Neues aus dem Intrigantenstadl

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Wahrlich, ich sage Euch: Es sind satanische Zeiten angebrochen, da die Menschen immer mehr von den Göttern abfallen und ungläubige Zweifel an der höheren Allmacht sich immer mehr ausbreiten. Der Glauben an die Macht und die Herrlichkeit der Heiligen Märkte, allerorten zur Staatsreligion erhoben und damit zur universalen Weltreligion, wird von immer mehr Abfälligen als Irrglauben geschmäht. Im zentralen Tempel der Deutschen Bank wird der große Zastertustra, der da heißt Ackermann, mitsamt seinen anderen Hohepriestern plötzlich als Inkarnation des infernalen Unheils verteufelt.

Wie tröstlich ist es da, wenn in diese diabolische Heiden-Angst der verwirrten Gemüter ein kleiner Hoffnungsschimmer fällt und uns die Offenbarung zuteil wird, daß es noch immer letzte Geheimnisse gibt, die sich jeder Erklärung entziehen. Es ist eine Engelin, eine Angela, die als Sendbotin der frommen Botschaft uns nun verkündet, daß sie ihre eigene Herrschaft nicht mehr zu deuten vermag. Da sie für ihre Regierung keine Erklärung mehr findet, verzichtete sie heute zum ersten Mal auf eine Regierungserklärung.

Mir ist es schon seit langem unerklärlich, warum diese Regierung überhaupt an sich ist, also an der Regierung. Es gibt eben Mysterien, die auf ewig unergründlich sind. Das Mysterium ist übrigens mal wieder griechischen Ursprungs (wen wundert’s?) und wurde wahrscheinlich vom griechischen “myo” abgeleitet - auf deutsch: schweigen, den Mund halten. Und so hat unsere Kanzlerin gestern überraschend angekündigt, daß sie heute mal ausnahmsweise den Mund halten will. Was wahrlich eine frohe Botschaft ist.

Den letzten Versuch, das Unfaßbare ihrer amtlichen Existenz einschließlich der von ihr betreuten Regierungs-Gnome zu erläutern, machte sie vor drei Wochen, als sie in der Abstimmung über den Merkel-Rettungsschirm im Bundestag ihre Kanzlerin-Mehrheit mühsam genug retten konnte. Sie sang anschließend das Hohelied vom geschlossenen Auf-, Ein- und Zutritt ihrer Mannschaft (Wochenschauer Nr. 514). Heute nun muß sie ihre Mannschaft in einer Sondersitzung der zerstrittenen Koalitions-Komplizen schon wieder neu zusammenkriseln. Ihr FDP-Bubi Rösler, als Sabbelphilipp immer für eine kesse Lippe gut, und der Finanz-Oberschäuble hatten sich steuersenkend einander zugeneigt, ohne dem Bayern-Spezi Seehofer vorher Bescheid zu sagen. Der senkte sofort den steuernden Daumen, und alles ist mal wieder im total geschlossenen Durcheinander. Diese Regierung hält sich an das Motto des großen deutschen Erkenntnis-Theoretikers Lothar Matthäus, der als Leitmotiv für jede erfolgreiche Mannschaft einst formulierte: “Wir sind eine gut intigrierte Truppe.”

Der Ackermann geht mir auf die selben…

Wenn die Global Player der Finanzwelt mit dem Globus Fußball spielen (oder auf amerikanisch: Soccer), dann ist diese Soccerei wahrlich nichts für Weicheier.  Das machte der Deutschbänker Ackermann kürzlich bei einem Vortrag vor amerikanischen Investmentbänkern klar: “For this play you must have balls.” Ins Macho-Deutsch übersetzt heißt das: Man braucht Eier in der Hose. Und da kann Angela Merkel nun mal nicht mithalten, auch wenn sie noch sehr rumeiert. Nebenbei hat inzwischen eine neue deutsche Vokabel den englischen Wortschatz angereichert (nach Schadenfreude, Kindergarten, Rucksack etc). Ein US-Börsenblatt überschrieb einen Bericht über Merkels Euro-Politik mit den Worten: “The German Eiertanz”. Und bei diesem Tanz ist die Kanzlerin ganz prima als Ballerina. Genauer als: Ballarina.

Das Spiel heißt nun mal: O, Baby, Baby, ballaballa! Zwar ist es unser Geld, das da verballert wird, doch geht es auch bei der neu aufgelegten Bankenrettung “um die Gewährleistung der Grundfesten dieser Leistungsgesellschaft”, wie es Merkels früherer Kassenwart Peer Steinbrück erklärte bei der Bankenrettung Germanisch Eins. Klar: Auf diesen gewährleisteten Grundfesten sind nun mal die Banken-Wolkenkratzer in Mainhattan erbaut, auch wenn die Bänker keine Gewährleistungspflicht kennen bei der Kundenberatung. Doch keiner kann bestreiten, daß sie unermüdlich was leisten. Und zwar sich. Und zwar mit uns.

Dafür braucht man eben, wie Ackermann sagte, balls in the trousers. So spielt die Deutsche Bank mit unseren Euro-Eiern, wobei durchaus auch eine gewisse Leidenschaft im Spiel ist. Denn wie schrieb uns schon Goethe ins klassische Poesiealbum: “Die Gier ist der Leidenschaften allmächtigste.” In diesem Sinne hat Ackermann der Deutschen Bank sein Lebensmotto aufgeprägt: “Leistung aus Leidenschaft”. Eine Leidenschaft, bei der wir alle mitstöhnen dürfen. Das nennt man Mitleidenschaft - und in die werden wir gezogen. So wird aus der Passion des Herrn Ackermann unsere Passionsgeschichte. Wir haben das Kreuz zu tragen, auf das wir gelegt worden sind.

Mir wird bei dem Gedanken an die derart hochverzinsliche Leidenschaft allerdings etwas wehmütig ums Gemüte, wenn nicht gar ums Gemächte:

Du gute, alte Leidenschaft!
Wie wüste tatste dereinst toben!
Du standest prall im vollen Saft!
Nun haben sie auch dich geschafft
und auf die Deutsche Bank geschoben.

Jetzt mußt du hart zum Rackern ran.
Als alte Hur’, frisch renovieret,
fingst du noch mal zu ackern an.
Das freuet jeden Ackermann,
der zu (dir) hält und abkassieret.

Da liegst du nun vor dem Tresor,
hechelst dahin mit letzter Kraft,
spielst so dem geilen Investor
schwer ächzend ‘nen Orgasmus vor
und stöhnst: “Leistung aus Leidenschaft!”

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BWL Studenten - Die Gezüchteten Zahnrädchen Der Elite

Wahrheiten

Realsatire aus dem Handelsblatt

Schreibt mal an George

Gaddafi, Westerwelle und ich

Gaddafi, Westerwelle und ich

Die letzte Ölung für den libyschen Ölprinzen steht bevor. Da wird man in etlichen  westlichen Hauptstädten in den Amtsstuben der Wirtschafts- und Außenministerien noch einmal leise nostalgisch aufseufzen. Und dann wird man schnell die letzten Erinnerungsfotos, zeugend von inniger Umarmung mit dem Wüstenfürsten, von der Ehrentafel rupfen und im Geheimsafe verschwinden lassen.

Wurde doch der Herr Gaddafi zumindest im letzten Jahrzehnt von allen wichtigen europäischen Staatsmännern und Staatsfrauen heftig umschmust. Aber das kann man heute niemand zum Vorwurf machen, denn damals hatte man in Libyen noch eine richtige Regierung wie in Ägypten und Tunesien auch. Jedenfalls hörte und las man’s so bei unseren Politikern und in allen Medien. Da war stets von der libyschen Regierung die Rede und von der ägyptischen Regierung und von der tunesischen Regierung. Aber dann begannen die arabischen Massen massenhaft ihren Herrschern die Herrschaft zu vermiesen. Und plötzlich hörte und las man in allen Medien, daß die Libyer und Tunesier und Ägypter niemals eine Regierung gehabt hätten, sondern immer nur ein Regime. Eine total überraschende Information. Das hat auch die Bundesregierung erst mitgekriegt, als es ihnen von den arabischen Massen massenhaft mitgeteilt wurde.

Auf einmal stellte sich heraus, daß der Gaddafi schon immer ein Diktator war. Das hat doch vorher keiner ahnen können. Woher auch? Der Gaddafi hatte das seinen westlichen Gesprächspartnern hinterhältigerweise immer verschwiegen beim trauten Tete-a-tete. Und die arabischen Massen, die waren ja vorher auch so maulfaul. Die hätten das der westlichen Welt ja freundlicherweise mal etwas früher mitteilen können, daß sie gar keine Regierungen haben, sondern nur Regime. Dann wäre auch Angela Merkel sofort zur erklärten Regime-Gegnerin geworden, wie sie das bei ihrer kürzlichen Afrika-Visite in den dortigen Öl-Regionen so ausdrücklich unter Beweis gestellt hat.

Aber vorher konnte sie das eben nicht, weil der Gaddafi noch an der Regierung war und nicht am Regime. Und außerdem saß er in Libyen nicht nur auf einem Regierungssitz, sondern eben auch auf einer Menge Öl. Dieses Öl sprudelte direkt unter seinem Regierungssitz hervor. Und deshalb knieten die westlichen Regierungen und die sie regierenden Konzerne zu seinen Füßen, um das Öl begierig aufzulecken. Zwischendurch schleckte man auch dem Ölscheich immer mal kurz die Füße. Das nennt man Verhandlungen auf Augenhöhe; soll heißen auf der Höhe seiner Hühneraugen.

Das war früher beim Saddam Hussein auch nicht anders, zu der Zeit als Hussein Krieg gegen den Iran führte. Da haben ihn seine amerikanischen Freunde noch massenhaft mit Waffen ausgerüstet zwecks Vernichtung seiner massenhaften Feinde. Deshalb waren die Amis später auch so absolut sicher, daß der Hussein über Massenvernichtungsmittel verfügen mußte. Die hatten die USA dem Hussein allerdings nur geliehen. Deshalb wollten sie die irgendwann auch wieder zurückhaben. Aber der Hussein hatte inzwischen diese Massenvernichtungswaffen massenhaft vernichtet, was einmal mehr seine ganze Brutalität verriet. Das war natürlich ein unerhörter Affront gegen die Vereinigten Staaten, den sie sich nicht einfach so gefallen lassen konnten. Deshalb waren sie damals schweren Herzens gezwungen, in den Irak einzumarschieren. Zumal die CIA zur der Zeit gerade dank neuester ultramoderner Spionage-Satelliten herausgefunden hatte, daß die Iraker ebenfalls gar keine richtige Regierung hatten, sondern ein Regime. Doch neben dem Regime hatten sie, wie gesagt, auch Ölquellen, die vom Regime brutal ausgebeutet und ausgenutzt wurden. Und so wurde es höchste Zeit, die armen, unter dem Regime schwer leidenden Ölquellen von diesem brutalen Ausbeuter zu befreien.

So wie es jetzt auch in Libyen geschieht. Als die libyschen Rebellen plötzlich mit ihrer Rebellion anfingen, erkannte auch die Nato, daß es an der Zeit wäre, ein bißchen mitzurebellieren. Ist ja klar, nur wer mitrebelliert, darf sich hinterher an den Ölquellen auch ein paar Liter für sein privates Ölkännchen abzapfen.

Aber eigentlich wäre der Einsatz der NATO gar nicht nötig gewesen. Der Einsatz von Guido Westerwelle hätte vollkommen gereicht. Bitte mißverstehen Sie mich richtig: Damit will ich nicht etwa gesagt haben, daß der Westerwelle eine geheime Abschreckungswaffe des Westens wäre, die beim außenpolitischen Einsatz jeden zum Davonlaufen bringt (oder meine ich das am Ende doch?) … Nein, ich wollte das sagen, was der Westerwelle gesagt hat: Nämlich, daß die libyschen Rebellen nur deshalb gesiegt haben, weil Westerwelle sie so massiv unterstützt hat – und zwar moralisch.

Das ist auch glaubhaft, weil der Westerwelle, wie jeder weiß, eine ganz starke Moral hat, und gegen diese starke Moral war der Gaddafi total hilflos, weil der mit seinem unmoralischen Regime über gar keine Moral verfügte, wie wir inzwischen, wenn auch mit ziemlicher Verspätung, wissen. Da war Westerwelle eindeutig in der Übermacht. Und so war letztlich er es, der in Libyen gesiegt hat.

Nur will das keiner so richtig einsehen – außer mir. Diese Uneinsichtigkeit macht es einem deutschen Außenminister auch nicht gerade einfach, sein Amtsgeschäft einzuüben (von Ausüben kann da ohnehin keine Rede sein).

Und dieses Amtsgeschäft war bis in die jüngere Historie hinein immer ein großes Geschäft, daß da verrichtet wurde. Aber heute hört und liest man in allen Kommentaren, daß der jetzige Amtsgeschäftsverrichter daraus ein kleines Geschäft gemacht habe. Der mache aus dem Auswärtigen Amt nur noch ein AA. Er piesele also seine übliche Westerwelle vor sich hin, habe aber den Bogen nicht raus. Und alles fragt sich nur noch, wann er sich endlich verpißt.

So bin ich wohl der einzige, der ihm noch die Stange hält.

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Wie kriegt man Politiker weg?

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Osama-Song